von Ph. Müller Traditionelle Autorinnenlesung an der Kreisschule Mittelgösgen
Wer liest hat nur Vorteile!
Traditionell findet seit Jahren jeweils für die 2. Oberstufe der Kreisschule Mittelgösgen eine Autorinnenlesung statt. Ziel ist es, auf diese direkte Art in die Welt der Bücher einzutauchen und so auch Hemmungen zu verlieren. Dieses Jahr konnte sich Autorin Tanja Kummer vor allem mit der letzten Gruppe „auf Augenhöhe“ unterhalten, hat doch die Klasse P2c eben ihr eigenes Buch «Die Seuche aus den Sternen» – entstanden im Deutschunterricht – veröffentlicht.
«Wer ein Buch öffnet, reist im Kopf, vor dem inneren Auge geht ein Film ab. Mit einem Buch in der Hand wirkt man interessant und attraktiv, man wird immer gerne auf seine Lektüre angesprochen.»
Mit diesem Werbespot eröffnete Tanja Kummer ihre Lesung und markierte somit vom ersten Moment an, was ihr Thema ist – die Faszination für das Medium Buch. Als gelernte Buchhändlerin und Autorin hat sie sich mit Haut und Haaren dieser Leidenschaft verschrieben. Beide Tätigkeiten übt sie bis heute aus. Mittlerweile sind 14 Bücher entstanden.
Da die Autorin im Vorfeld Kenntnis vom eigenen Buchprojekt der Klasse P2c hatte, nahm sie diesen Umstand sofort auf und stellte ihre Lesung, ihren Workshop passgenau um. Sie erklärte ihre eigene Herangehensweise für Geschichten und verband dies gekonnt mit den eben gemachten Erfahrungen der Jugendlichen. Dreidimensionale Ausgestaltung der Protagonisten, stimmiger Einsatz von Zeiten, Perspektiven der Erzählform und dass es einen klaren Plot für eine Geschichte braucht, welcher in drei Sätzen umrissen werden soll.
Ein konkretes Beispiel ihrer schriftstellerischen Tätigkeit zeigte Kummer mit ihrer Kurzgeschichte «Bonne journée» auf, wo sie die Krux, die Hassliebe der Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer mit dem Französisch sympathisch demonstrierte. Sie zeigte hierbei, dass auch Autorinnen zuweilen ihre Krämpfe mit Sprachen auszufechten haben.
So schilderte sie eine Einkaufssituation in einem kleinen französischen Laden, wo sie auf das freundliche «Au revoir et bonne journée» der Kassiererin ein einfaches «gleichfalls» (pareillement) retournieren wollte. Stattdessen entstand ein Mix aus «au revoir» und «par…», was in einem deutlichen «Appareil» (Apparat) resultierte. Dies zeigt, dass auch Sprachbegabte an Grenzen stossen können. Eine Tatsache, welche auch Schülerinnen und Schülern bekannt vorkommt und somit eine Brücke schlug.
«Es ist absolut Wurst, was man liest. Aber es ist einfach toll, wenn jemand selber erfahren kann, wie er in einem Buch versinkt.»
Ein grosser Teil des Workshops durften die Jugendlichen aber auch selber schreibend aktiv werden. Dies anhand von Schreibexperimenten in der Klasse:
Dies passierte mit freiem Scheiben ohne Pause, aber auch mit der Technik «Journaling», dem Beenden von angefangenen Sätzen. Hier zeigte sich, dass die Jugendlichen sich durchaus kritisch mit ihrer eigenen Generation, der berühmten GenZ auseinandersetzten.
Auf den Satzanfang: Meine Generation ist… kamen folgende Rückmeldungen.
Anhand der erarbeiteten Texte erhielten die Schreibenden auch immer wieder konkrete Tipps, wie zum Beispiel: «Show, don’t tell!», sinnliche Details beschreiben statt allgemein berichten, so entstehen konkretere Bilder, wenn wir von zwei Orangen und einer Banane schreiben als von nur von einer Schale mit Früchten.
Die Schale an Tipps und Tricks war auf jeden Fall nach diesen zwei Lektionen praller gefüllt als vorher und wer weiss, vielleicht wagen sich die Jugendlichen in Zukunft an eigene, grössere Textprojekte, jetzt wo sie bereits mit einem eigenen Gruppenroman erfolgreich waren.
Ganz sicher aber wurde durch diesen energiegeladenen Workshop die Lust am Lesen eindrücklich demonstriert. Eben: «Wer liest hat nur Vorteile!»